Künstliches Hüftgelenk

Tausende von Schritten macht ein Mensch jeden Tag. Unser Hüftgelenk ist an jedem dieser Schritte beteiligt und eines unserer am stärksten belasteten Gelenke. Die Hüfte eines gesunden Menschen trägt nicht nur ständig das normale Körpergewicht, sondern muss, je nach Bewegung, sogar ein Vielfaches des Gewichtes aufnehmen.

Ist die Hüfte erkrankt und bringen Medikamente und physiotherapeutische Maßnahmen (Krankengymnastik) keinen ausreichenden Erfolg mehr, ist der künstliche Gelenkersatz (Endoprothetik) eine seit Langem bewährte und sichere Behandlungsmaßnahme.

Wie funktioniert das Hüftgelenk?

Das Hüftgelenk setzt sich zusammen aus dem langen Oberschenkelknochen mit seinem – mit Knorpel bedeckten – kugelförmigen Hüftkopf am oberen Ende und der mit Knorpel bedeckten Hüftpfanne im Beckenknochen. Muskeln, Bänder und eine Gelenkkapsel halten ihn stabil in der – ebenfalls mit Knorpel ausgekleideten – Hüftpfanne. Der Hüftkopf dreht sich bei jeder Bewegung in der Hüftpfanne.

Reibungslos und ohne Schmerzen bewegen

Bei einem gesunden Hüftgelenk reiben diese knöchernen Strukturen nicht direkt aneinander, weil sie von einer glatten Knorpelschicht überzogen sind. Der Gelenkknorpel sorgt dafür, dass sich die Hüfte wie ein gut geschmiertes Lager verhält. Der Knorpel ist von einer zähen Flüssigkeit im Gelenkspalt (Gelenkschmiere) umgeben. Er hält die beiden Knochen im Gelenk auf Abstand und ermöglicht eine glatte, nahezu reibungslose Bewegung ohne Schmerzen.

Diese schützenden Gelenkknorpel können sich jedoch infolge jahrelanger Überlastung, aber auch durch Erkrankungen (z. B. Rheuma) und Verletzungen (z. B. beim Sport) stark abnutzen. Dieser als Hüftgelenksarthrose oder Coxarthrose bezeichnete Verschleiß ist die häufigste Arthroseform überhaupt und verursacht Schmerzen, die jede Bewegung zur Qual machen können.

Wann brauche ich eine Hüftprothese?

Welche Grunderkrankungen des Hüftgelenkes können dazu führen, dass ein künstlicher Gelenkersatz notwendig wird? Zu den häufigsten Ausgangserkrankungen gehören die Hüftgelenkarthrose (Coxarthrose), von der besonders Menschen im höheren Lebensalter betroffen sind, und rheumatische Gelenkentzündungen (Rheumatoide Arthritis). Der bei beiden Erkrankungen auftretende Gelenkverschleiß kann dazu führen, dass irgendwann keine schützende Knorpelschicht mehr vorhanden ist und jede Bewegung starke Schmerzen verursacht.

Rheumatisch bedingte Gelenkentzündung (Rheumatoide Arthritis)
Was eine Rheumatoide Arthritis verursachen kann, ist noch nicht vollends geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass ein autoimmuner Prozess, also eine Fehlreaktion des eigenen Immunsystems, für die stufenweise Zerstörung des Gelenkknorpels verantwortlich ist. Mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten kann das Ausmaß und das Fortschreiten der Erkrankung oftmals in Schach gehalten werden. Ist dies jedoch nicht mehr möglich, können operative Verfahren wie das Entfernen des erkrankten Gelenkes (Resektion) und das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes in Betracht gezogen werden. Sie ermöglichen den Patienten in vielen Fällen wieder ein aktives Leben ohne belastende Schmerzen.

Hüftgelenkarthrose (Coxarthrose)
Zu den Ursachen einer Hüftgelenkarthrose gehören neben einer genetischen Veranlagung auch Faktoren wie Übergewicht, Häufig wiederholte Überlastungen sowie kleinste Verletzungen oder Frakturen des Gelenks. Der Gelenkverschleiß schreitet um Laufe der Jahre voran, weshalb sich deutlich mehr ältere als jüngere Patienten einer Gelenkersatz-Operation im Hüftbereich unterziehen.

Angeborene Hüftfehlstellungen und Frakturen
Angeborene Fehlstellungen der Hüfte fördern eine schnelle Abnutzung des Gelenkknorpels, wodurch schon in jüngeren Jahren die endoprothetische Versorgung notwendig werden kann. Ein Beispiel: Bei der Hüftdysplasie besteht ein (angeborenes) Missverhältnis zwischen dem kugelförmigen Gelenkkopf und der Hüftgelenkspfanne, woraus eine Fehlstellung resultiert. Bleibt die Erkrankung im Kindesalter unbehandelt, kann später ein künstlicher Gelenkersatz, z. B. wegen einer frühen Arthrose, unumgänglich werden.

Darüber hinaus können auch Frakturen (z. B. bei Sportverletzungen) die Hüftpfanne oder den Oberschenkelknochen so stark schädigen, dass ein Gelenkersatz notwendig wird. Dank der modernen Endoprothetik ist eine Rückkehr in ein aktives Leben und somit auch in den Sport möglich. In welchem Umfang das vertretbar ist, muss jedoch immer im Einzelfall entschieden werden.

Was leisten moderne Hüftprothesen?

Moderne Kunstgelenke (Endoprothesen) sind aus leichten Materialien gefertigt, die sehr widerstandsfähig gegen Abnutzung sind und viele Jahre lang halten. Sie bestehen meist aus metallischen Gelenkanteilen, die entweder zementiert oder zementfrei im Knochen verankert werden. Als Knorpelersatz werden in diesen Anteilen Komponenten aus Keramik, hochvernetztem Polyethylen (Kunststoff) oder einer Kombination dieser Materialien verankert.

Bei der Gelenkersatz-Therapie (Endoprothetik) im Bereich des Hüftgelenkes kommen entweder Teil- oder Totalprothesen zum Einsatz. Von einer Total-Endoprothese (TEP) spricht man, wenn sowohl ein künstlicher Hüftschaft mit Kugelgelenk als auch eine künstliche Hüftpfanne eingesetzt werden.

Der Hüftschaft besteht in der Regel aus einer Metalllegierung aus Kobalt-Chrom-Guss mit Nickel und Molybdän oder aus rostfreiem Stahlguss mit hohem Stickstoffgehalt sowie Chrom, Nickel und Mangan. Bei einer vorhandenen Allergie gegen Chrom und Nickel stehen Prothesen zur Verfügung, die einzig aus Titan gefertigt sind. Der Kopf des Gelenkes besteht dann aus Keramik (Zirkonia) statt aus Stahl.

Aus welchem Material die Hüftpfanne besteht, ist vor allem abhängig von der Art ihrer Verankerung. Bei der zementierten Verankerung im Knochen mit einem speziellen medizinischen Klebstoff wird eine komplette Pfanne aus Polyethylen verwendet. Bei der zementfreien Verankerung besteht die Pfannenschale aus einer Titanlegierung, deren poröse Beschichtung ein zügiges und gutes Verwachsen mit dem Knochen gewährleistet. Das Inlay besteht aus Polyethylen.

Welche Vorteile hat eine moderne Hüftprothese?

Die operative Versorgung mit Hüftgelenkersatz blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück. Entsprechend umfassend sind die Erfahrungswerte mit dieser Therapie.

Bei den meisten Patienten bewirkt der künstliche Gelenkersatz eine deutliche Reduzierung der Hüftschmerzen. In vielen Fällen wird sogar von einer völligen Schmerzfreiheit berichtet. Bereits wenige Wochen nach der Operation erreichen viele Patienten eine Beweglichkeit, die aufgrund ihrer Hüftgelenkerkrankung unter Umständen schon vor Jahren verloren gegangen war. Insgesamt erhalten die Patienten in aller Regel eine deutlich höhere Lebensqualität, die nicht mehr durch quälende Schmerzen und eine stark eingeschränkte Mobilität getrübt wird.

Weitere ganz wichtige Vorteile moderner Endoprothesen sind ihre Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. In der Regel vergehen viele Jahre, bis eine Hüft-Endoprothese allmählich an Funktionsfähigkeit einbüßt und ausgetauscht werden muss.

Wann muss die Prothese gewechselt werden?

Die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung der Implantate und ihrer Werkstoffe hat dazu beigetragen, dass künstliche Hüftgelenksprothesen heutzutage deutlich länger fest im Knochen verankert bleiben.

Trotz wesentlicher technischer Verbesserungen der Kunstgelenke und zunehmender Erfahrungen beim Einbau der künstlichen Hüft- und Kniegelenke kann man ein "ewiges" Leben der Endoprothesen auch heute noch nicht versprechen. Meist ist es weniger die Haltbarkeit der Prothese selbst, als die nicht dauerhafte Verankerung im Knochen, welche die Standdauer einer Prothese limitiert.

Da die Lockerung von Prothesen durch falsche oder übermäßige Belastung gefördert wird, sollte Folgendes weitestgehend vermieden werden:

  • Übergewicht
  • das Heben und Tragen schwerer Lasten
  • übermäßige Stauchungen und Stoßbelastungen, sowie starke Drehbewegungen wie sie beispielsweise bei Sportarten wie z.B. Fuß-, Hand-, Volleyball, Tennis, Skifahren, entstehen können
  • unkontrollierte Bewegungen und Stürze, aber auch extreme Bewegungsmuster können ein Risiko für die Luxation (Ausrenkung der Prothese aus der Pfanne) darstellen
  • Sportarten mit erhöhtem Unfallrisiko

Bevor eine Prothese gewechselt wird oder einzelne Komponenten der Prothese getauscht werden, finden in unserer Klinik im Vorfeld gezielte Untersuchungen und Diagnostik statt, um die Ursachen einzugrenzen.

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