Künstliches Kniegelenk

Das Kniegelenk trägt unser gesamtes Körpergewicht und muss – je nach Bewegung – sogar ein Vielfaches des Gewichtes aufnehmen. Allein beim bloßen Auf- und Abspringen wirken kurzzeitig Kräfte auf das Knie, die einem Vielfachen des eigenen Körpergewichts entsprechen. Um uns viele Bewegungen zu ermöglichen, ist das Kniegelenk ein „offenes“, nur durch Bänder und Muskeln stabilisiertes Gelenk.

Die moderne Endoprothetik kann helfen

Ist das Knie erkrankt und bringen Medikamente und physiotherapeutische Maßnahmen (Krankengymnastik) keinen ausreichenden Erfolg mehr, ist der künstliche Gelenkersatz (Endoprothetik) eine seit Langem bewährte und sichere Behandlungsmaßnahme.

Wie funktioniert das Kniegelenk?

Das Kniegelenk setzt sich aus dem langen Oberschenkelknochen und dem Schienbein zusammen. Am vorderen Teil des Kniegelenkes befindet sich die Kniescheibe, ein relativ kleiner, flacher Knochen.

Der Oberschenkelknochen liegt mit zwei rundlichen, parallel zueinander stehenden – mit Knorpel überzogen – Strukturen, auf dem mit einer Knorpelschicht überzogenen Schienbeinkopf auf.

Im dazwischen liegenden Gelenkspalt befinden sich die Menisken (Zwischengelenkscheiben). Sie fangen die gewaltigen Kräfte, die im Laufe unseres Lebens auf das Gelenk einwirken, federnd ab.

Durch die so genannte Gelenkschmiere funktioniert der Knorpel wie ein gut geschmiertes Lager. Er hält die beiden Knochen des Kniegelenkes voneinander getrennt und sorgt so für eine nahezu reibungslose Bewegung ohne Schmerzen.

Ober- und Unterschenkelknochen sind durch vier kräftige, flexible Bänder miteinander verbunden. Sie wirken wie Schnüre, die beide Enden des Gelenkes zusammenhalten und bei Bewegung sichern. Durch die Bewegung wiederum gelangt die Gelenkflüssigkeit mit ihren Nährstoffen in den Knorpel.

Die schützenden Gelenkknorpel können sich jedoch infolge jahrelanger Überlastung, aber auch durch Erkrankungen (z. B. Rheuma) und Verletzungen (z. B. beim Sport) stark abnutzen. Dieser als Kniegelenkarthrose oder Gonarthrose bezeichneter Verscheiß verursacht Schmerzen, die jede Bewegung zur Qual machen können.

Wann brauche ich eine Knieprothese?

Welche Grunderkrankungen des Kniegelenks können dazu führen, dass ein künstlicher Gelenkersatz notwendig wird? Sehr häufig ist die Kniegelenkarthrose (Gonarthrose) dafür verantwortlich. Die Kniegelenkarthrose ist eine Verschleißerkrankung, die dazu führen kann, dass im Kniegelenk irgendwann keine schützende Knorpelschicht mehr vorhanden ist und jede Bewegung starke Schmerzen verursacht.

Eine Gelenkarthrose im Knie kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Häufige Gründe für den Gelenkknorpel-Verschleiß sind Gelenkentzündungen (z.B. eine rheumatoide Arthritis), Fehlstellungen der Beinachse (z.B. X-Bein oder O-Bein), Fehlbildungen des Kniegelenkes bzw. des Beins sowie verschiedene Stoffwechselerkrankungen. Darüber hinaus können Verletzungen des Kniegelenkes und permanente Überlastungen während der Arbeit, beim Sport oder in der Freizeit einen Gelenkverschleiß begünstigen.

Hüftgelenk-Erkrankung als Ausgangspunkt für Kniegelenk-Arthrose

Das Kniegelenk kann darüber hinaus auch infolge einer Hüftgelenk-Erkrankung geschädigt werden. Eine fortschreitende Hüftgelenk-Erkrankung (z.B. eine Hüftgelenk-Arthrose) verursacht häufig starke Schmerzen und verändert das Bewegungsverhalten des gesamten Beines. Diese dauerhafte Fehlbelastung beim Gehen kann dazu führen, dass der Knorpel des Kniegelenks zunehmend geschädigt wird.

Wird ein fortschreitender Knorpelschaden nicht ausreichend therapiert, reiben die Gelenkknochen irgendwann direkt aneinander: Die dadurch verursachten Schmerzen können die Gelenkbeweglichkeit derart einschränken, dass selbst kurze Wege zur Qual werden. Ein künstliches Kniegelenk (als Teil- oder Totalprothese) kann die ursprüngliche Beweglichkeit des Knies wiederherstellen, Schmerzen reduzieren bzw. sogar ganz auflösen und so die Rückkehr in ein aktives Leben ermöglichen.

Was leisten moderne Knieprothesen?

Moderne Kunstgelenke (Endoprothesen) sind aus leichten Materialien gefertigt, die sehr widerstandsfähig gegen Abnutzung sind und viele Jahre lang halten, Sie bestehen meist aus besonderen Kobalt-Chrom- oder Titan-Legierungen. Als Gleitpartner (Knorpelersatz) kommen Komponenten aus abriebarmen Kunststoffen wie hochvernetztem Polyethylen zum Einsatz.

Bei der Gelenkersatz-Therapie (Endoprothetik) im Bereich des Kniegelenkes kommen entweder Teil- oder Totalprothesen zum Einsatz. Hierbei und bei der Wahl der Prothesen-Verankerung gibt es zahlreiche Optionen. Welche davon angewandt werden, ist abhängig von mehreren individuellen Faktoren – wie etwa dem Lebensalter des Patienten, dem Geschlecht, der Knochenbeschaffenheit, dem allgemeinen Gesundheitszustand und nicht zuletzt den persönlichen Anforderungen an die eigene Mobilität.

Grundsätzlich ist jede moderne Knie-Endoprothese dem Kniegelenk bestmöglich nachempfunden, um verschlissene Knorpel- und Knochenstrukturen adäquat zu ersetzen. Je nachdem, ob nur Teile des Gelenkes geschädigt sind (z.B. nur der äußere Gelenkknorren des Oberschenkelknochens) oder das ganze Gelenk, können unterschiedliche Prothesen-Typen verwendet werden.

Teilprothese oder Total-Endoprothese?

Zu den häufig eingesetzten Teilprothesen gehört die einseitige Schlittenprothese. Sie wird dann eingesetzt, wenn lediglich der Knorpel eines Gelenkknorrens des Oberschenkelknochens verschlissen ist und noch alle Bänder des Kniegelenkes voll funktionsfähig sind. Die Prothese für den Oberschenkelknochen besteht aus einer Metallkufe, die auf die betroffene Knochenrolle gesetzt wird. Für den gegenüberliegenden Anteil des Unterschenkelknochens wird meist eine fest fixierte Kunststoff-Komponente mit Metallbasis verwendet.

Bei den Total-Endoprothesen (TEP) unterscheidet man zwischen ungekoppelten und gekoppelten Knie-Prothesen. Ungekoppelte Prothesen sind im Unterschied zu den gekoppelten nicht mechanisch verbunden. Dadurch kann die natürliche Bewegungsfreiheit des Kniegelenkes weitestgehend erhalten bleiben. Jedoch müssen für den Einsatz einer ungekoppelten Endoprothese die Seitenbänder des Knies und das hintere Kreuzband voll funktionsfähig sein.

Welche Vorteile hat eine moderne Knieprothese?

Wer möchte nicht bis ins hohe Alter gesund und aktiv bleiben? Fakt ist: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen – und damit auch die Ansprüche an die eigene Beweglichkeit.

Die Gelenkersatz-Operation am Knie gehört zusammen mit der Gelenkersatz-Operation an der Hüfte zu den etabliertesten und mit Abstand am häufigsten durchgeführten Eingriffen in der Endoprothetik. Entsprechend umfassend sind die Erfahrungswerte mit dieser operativen Therapie.

Moderne Knie-Endoprothesen verfügen über eine lange Lebensdauer und ermöglichen den Patienten meist schon wenige Wochen nach der OP eine deutlich verbesserte Beweglichkeit. Die Patienten können durch das künstliche Kniegelenk eine Lebensqualität zurückerhalten, die nicht mehr durch quälende Schmerzen und eine stark eingeschränkte Mobilität getrübt wird. Und: In der Regel vergehen viele Jahre, bis eine Knie-Endoprothese allmählich an Funktionsfähigkeit einbüßt und bei einem Wechseleingriff ausgetauscht werden muss.