Leistungsspektrum

 - Operative Versorgung von Bauchwandbrüchen:           Hernienchirurgie

Allgemeines

Die operative Versorgung von Bauchwandbrüchen gehört in Deutschland zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen in der Chirurgie. Über 300.000 Brüche der Bauchwand werden pro Jahr in Deutschland operiert – davon ca. 400 am Juliusspital des KWM, unter denen die Leistenhernienversorgung den wesentlichen Anteil ausmacht.

Die Leistenregion stellt im Bereich der Bauchwand eine besondere Schwachstelle dar. Bereits vor über 200 Jahren beschrieb der am Juliusspital tätige Prosektor und Anatom Franz Caspar Hesselbach u.a. das nach Ihm benannte Hesselbach-Dreieck, welches die mediale Schwachstelle am Leistenkanal darstellt. Im Theatrum anatomicum, dem Gartenpavillon des Juliusspitals entstand u.a. seine 1814 erschienene wissenschaftliche Abhandlung: „Neueste Anatomisch-pathologische Untersuchungen über den Ursprung und das Fortschreiten der Leisten- und Schenkelbrüche.“

Bilder der Originalarbeit (Quelle: Bay. Staatsbibliothek)

Der heute gängige medizinische Fachbegriff für Bruch ist Hernie. Letztendlich bezeichnet es eine angeborene oder erworbene Lücke in der Bauchwand, die zum Hervortreten bzw. Durchbruch von Eingeweiden aus der Bauchhöhle führt. Dies kann ohne Beschwerden einhergehen, kann aber auch lokale Schmerzen und in Einzelfällen sogar lebensgefährliche Einklemmungen von Darmanteilen verursachen. In den letzten Jahren haben sich auf dem Gebiet der Bruchversorgung durch die Weiterentwicklung der Schlüssellochchirurgie (minimal-invasiv) moderne Operationsverfahren entwickelt, die nicht nur das kosmetische Ergebnis, sondern auch die postoperative Beeinträchtigung inklusive Schmerzen der Patienten vermindern.

Illustration Bauchwandbruch

Um die Qualität der Bruchoperationsverfahren auch im Langzeitverlauf ständig überprüfen und somit auf einem hohen Niveau halten zu können, nimmt das Juliusspital am deutschlandweiten Hernienregister der Deutschen Herniengesellschaft (HERNIAMED®) teil und erhielt deshalb auch das Siegel eines qualitätsgesicherten Hernienzentrums. Unsere Patienten werden i.R. dieser Qualitätssicherung u.a. postoperativ nach 1, 5 und 10 Jahren mittels Fragebogen kontaktiert.

 

Operationsverfahren

  • Offene Leistenbruchoperation ohne Netzimplantation:

Beim jungen Erwachsenen (<30.Lebensjahr) wird eine Bauchwandverstärkung ohne Implantation eines künstlichen Netzes (Operation nach Shouldice) angestrebt. Dabei wird der Bruchsack bestehend aus der Bauchfellknospe und ggf. Eingeweideinhalt freipräpariert, Darmanteile gelöst und in die Bauchhöhle zurückverlagert. Danach wird der Bruchsack abgetragen und die Bauchwandschichten am Leistenband mittels Naht fixiert.

  • Offene Leistenbruchoperation mit Netzimplantation:

Aufgrund des erhöhten Risikos eines erneuten Bruches (Rezidiv) ist man zunehmend dazu übergegangen, Polyester- oder Polypropylennetze zwischen die Bauchwandschichten einzulegen. Das Netz dient als zusätzliche Verstärkung der Bauchwand. Das gängigste Operationsverfahren beim Zugang von außen ist die Leistenhernienoperation nach Lichtenstein, bei der zwischen mittlerer und äußerer Bauchwandschicht ein ca. 10-Euroschein-großes Netz eingenäht wird.

  • Leistenbruchoperationen per Schlüsselloch:

Bei den modernen Verfahren der endoskopischen Bruchoperationen kommt neben kleinen Hautschnitten auch die Lage des Netzes als wesentlicher Vorteil zum Tragen. Das Netz wird vor das Bauchfell und hinter die festen Bauchwandschichten gelegt. Es sitzt damit wie ein übergroßer Deckel auf der Bruchlücke. Dies garantiert den besten Halt auch bei maximalem Druckanstieg in der Bauchhöhle, z.B. beim Husten. Neben dem Zugang durch die Bauchhöhle, wie er bei der TAPP (Transabdominelle Patchplastik) vorgenommen wird, gibt es auch die TEP(P) (Total extraperitoneale Patchplastik), bei der vor dem Bauchfell mittels Schlüssellochinstrumentarium präpariert wird. Am Juliusspital wird bevorzugt das TEP-Verfahren eingesetzt, da hierbei die Bauchhöhle inkl. der Eingeweide unangetastet bleibt.

Illustration TEP

Nabelhernien:

Nabelhernien werden bei kleiner Bruchpforte mittels Fasziendirektnaht versorgt. Bei größeren Brüchen oder Wiederholungsbrüchen wird ein Netz zur Verstärkung eingelegt.

Narbenbrüche:

Narbenbrüche treten nach einer vorangegangenen Operation auf. Diese können sich auch noch Jahre nach einer Operation ausbilden. Je nach Lage und Funktionalität kommen bei den Narbenbrüchen offene und minimalinvasive Verfahren zur Anwendung. Die bei fast allen Narbenhernien empfohlene Netzeinlage kann als Verstärkung oder je nach Befund auch als Bauchwandersatz dienen. Dabei kommen verschiedene Netzeinlagetechniken (Sublay, IPOM etc.) und Implantationsverfahren (offen vs. laparoskopisch) zum Einsatz.

Illustration Sublay, IPOM

Empfohlenes Verhalten nach Bruchoperationen am KWM - Standort Juliusspital:

Dokument als pdf hier downloaden

Indikationssprechstunde für Leisten- und Bauchwandbrüche

  • Donnerstag: 13:30 – 15:00 Uhr
  • Freitag: 11:30 - 13:00 Uhr

Anmeldung über das OrgaTeam: Tel.: 0931-393-2630

(Wahlleistungspatienten über das chirurgische Sekretariat: 0931-393-1921)

- Weitere Leistungen

Onkologische Chirurgie

Leber, Gallenwege, Pankreas, Ösophagus, Magen, Kolon, Rektum, inkl. Rezidiv- und Metastasenchirurgie, Multiviszeralresektion, Magenersatzbildung, Rektumersatz mit Sphinktererhalt.

Gastroenterologische Chirurgie

Akut und chronisch entzündliche Erkrankungen, benigne Magen- und Pankreaserkrankungen, GIST-Tumore, benigne kolorektale Erkrankungen.

Endokrine Chirurgie

Benigne und maligne Schilddrüsenerkrankungen, inkl. Neck-Dissektion und Rezidiveingriffe, Nebenschilddrüsen, Nebennieren.

Koloproktologie

Hämorrhoidektomie, Fistelchirurgie und Inkontinenz.